„Das sind ja ganz neue Seiten! Was ist denn in dich gefahren? Du bist ja ganz anders.“
So, oder so ähnlich könnte die Umgebung auf Frauen reagieren, welche sich selbst bewusst werden.
Die Zeit zwischen vierzigsten und sechzigsten Geburtstag ist eine Zeit des Wechsels.
Manche Rolle wechselt, die Kinder werden flügge und können nun wirklich alleine leben. Vielleicht kommen schon Enkel dazu. Hier will die Rolle der Oma gut überlegt sein, sie kann neu gestaltet werden. Auch beruflich sind nun Veränderungen möglich.
Alles im Leben ist im Wandel, doch so bewusst wie in der Zeit der Lebensmitte wird es uns selten. Und ja, es ist die Lebensmitte – wir werden rund 86 Jahre alt, folglich ist für uns alle die Zeit um den 43. Geburtstag der Start in die goldene Zeit!
Unsere persönliche Weltordnung, unsere Werte und unsere Bereitschaft, sich sozialen und familiären Regeln zu unterwerfen, werden nun auf Gültigkeit überprüft. Wir tun dies nicht strategisch und nach einer To-do-Liste. Es sind eher die Herausforderungen und Veränderungen, welche uns nachdenken lassen.
Will ich das so? Passt das für mich? Bin das noch ich?
Sich selbst bewusst werden, heißt sich seiner Bedürfnisse bewusst werden. Es heißt auch sich für sich selbst einsetzen. Erst wenn wir unsere Bedürfnisse an- und aussprechen, kann die Umwelt darauf reagieren.
Als Frauen sind wir es gewohnt, anderen ihre Wünsche zu erfüllen, ehe sie überhaupt aufkommen. Wir sind die, die immer da sind, immer helfen, immer zuhören, … Selbst in guten Freundschaften versuchen wir nie ein Ungleichgewicht an Hilfe und Ausgleich zu zulassen. Eine gesunde Freundschaft lebt aber von diesem mehr und weniger. Es ist gesund und wohltuend auch mal die Wünschende zu sein. „Mal zu dir, mal zu mir, nein heute besser nicht zu mir, lieber an einen neutralen Ort.“
Unsere Wünsche äußern, unsere Ansichten vertreten, unsere Grenzen aufzeigen heißt zuerst, uns selbst kennen zu lernen. Für dieses Kennenlernen gibt es kein Patentrezept, keinen Test in einer Illustrierten (auch wenn es dort so dargestellt wird). Eines ist jedoch sicher, es braucht Zeit, Ehrlichkeit mit mir selber und ist nicht immer bequem. Viele schlaue Köpfe haben mit den unterschiedlichsten Wegen zur Selbst-Erkenntnis Bücher geschrieben. Manche scheinen ein Allheilmittel, mache eine Einbahnstraße, andere wieder nur mit viel Geld zu realisieren. Aus Erfahrung weiß ich, es stimmt meist von allem ein bischen und ich muss selbst entscheiden, welcher Weg gerade jetzt der Richtige ist. Das kann nächste Woche, nächstes Jahr schon wieder anders sein. Die Zeiten wechselnJ.
So stellen wir fest, dass so manche unserer Bedürfnisse bisher un-erhört blieben. Doch wer hätte sie auch hören sollen? Wünsche, die wir jetzt laut äußern werden vielleicht irritieren. Unsere Umgebung, unsere Familie, unsere Freundinnen und Kolleginnen finden es möglicherweise sogar unerhört, was wir nun tun. Es ist unerhört, nicht zu einer Familienfeier zu kommen, weil wir gerade auf Urlaub sind. Es ist unerhört, dieses Monat keine Überstunden zu machen. Es ist unerhört, in einer Konfiserie vieles zu kosten und dann noch nichts zu kaufen. Jede Frau hat ihre eigenen neuen Wege und Bedürfnisse. Wichtig ist, diese selbst-bewusst für wahr(zu)nehmen, die eigenen Wünsche nicht un-erhört zu lassen.
Diese Gedanken sind treibende Kraft für unsere Seminare, unser Ausdruck von Weiblichkeit. Es ist normal, dass diese Veränderung schrittweise und über Monate bis Jahre dauert. Es ist auch ganz normal, dass wir weiter gesellschaftliche Normen leben. Im idealen Fall entscheiden wir bewusst, dass wir dies in unserem Sinne tun. Regeln, Normen, Gewohnheiten sind ja auch haltgebend und können uns so durch die manchmal stürmischen Zeiten der Lebensmitte geleiten.
So wünschen wir Euch viel Mut Euer Leben bewusst zu verändern. Überlegt und erfahrt wo es Änderung braucht und wo nicht, wo Ihr es bewusst so lassen wollt.
Diese Zeit braucht auch Energie. Vielleicht braucht es auch neue Wege und Formen diese Energie zu gewinnen und aufrecht zu halten. Unser Seminar „Frauentankstelle“ ist dafür einen gute Möglichkeit.
Bis dahin alles Gute,
die